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Generalsanierung Parlament

Im Jänner 2014 wurde die dringend notwendige Grundsatzentscheidung zur nachhaltigen Sanierung des Parlamentsgebäudes getroffen. Die Grundlage dafür wurde vom Projektteam der Parlamentsdirektion in enger Zusammenarbeit mit der von Vasko+Partner gestellten Projektsteuerung ausgearbeitet. Sie enthielt eine Gegenüberstellung aller Entscheidungsalternativen sowie eine Kostenaufstellung, die auf einer unabhängigen Überprüfung der Kostenschätzungen des im Jahr 2011 erstellten Gesamtkonzepts beruht.

In einem zweistufigen, europaweit ausgeschriebenen Verhandlungsverfahren wurde im Sommer 2014 die Bietergemeinschaft Jabornegg & Pálffy_AXIS im Herbst 2014 mit den Generalplanerleistungen beauftragt. Seitdem laufen die Planungsarbeiten auf Hochtouren, im Sommer 2017 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Vasko+Partner ist mit der Projektsteuerung beauftragt.

„Der Auftrag lautet, das Gebäude in seiner wertvollen Substanz zu erhalten und zugleich für einen zeitgemäßen parlamentarischen Betrieb zukunftsfit zu machen“, steckt Parlamentsvizedirektor Alexis Wintoniak den Planungsrahmen ab. Der bisherige Projektleiter fungiert nunmehr gemeinsam mit Harald Wagner, BIG, als Geschäftsführer der ParlamentsgebäudesanierungsgesmbH, einer Kooperation aus Parlament und Bundesimmobiliengesellschaft.

Ausweichquartier Hofburg
V+P verantwortet auch die vorübergehende Absiedlung des Parlaments: Nationalrat und Bundesrat werden im großen Redoutensaal der Hofburg tagen. Zudem werden im Bibliothekshof der Hofburg und auf dem Heldenplatz drei temporäre Fertigteilpavillons für Büro und Sitzungslokale errichtet. Bis Sommer 2020 soll die Generalsanierung abgeschlossen sein. Die laufend ergänzten Gutachten zum Zustand des Parlaments ergaben gravierende Mängel: in puncto Brandschutz, Evakuierungsmöglichkeiten, Barrierefreiheit, Gebäudestandfestigkeit, Haustechnik, bei den Glasdächern, der Dachkonstruktion und letztlich ist die technische Lebensdauer zahlreicher der im Parlamentsgebäude verwendeten Materialien weit überschritten.

Barrierefrei und flexibel
Die Adaption des Parlamentsgebäudes an zukünftige Anforderungen erfolgt in mehreren Schritten, die sich an dem architektonischen Konzept Theophil Hansens orientieren. Die historischen Räume werden nachhaltig in Stand gesetzt, gleichzeitig soll ihre Prägnanz durch die teilweise Rücknahme von Einbauten späteren Datums wieder hergestellt werden. Zusätzliche öffentliche Räumlichkeiten werden im Bereich von Erd- und Dachgeschoß hergestellt. Im Sinne einer weiteren Öffnung des Hauses werden für Besucher zusätzliche Möglichkeiten geschaffen, am parlamentarischen Leben teilnehmen zu können.
Sämtliche öffentlich zugängliche Geschoße werden durch vier neue, zentrale Treppenhäuser verknüpft, die nicht nur eine attraktive Verbindung zwischen den einzelnen Ebenen anbieten, sondern auch der erforderlichen neuen Dimensionen der Fluchtwege entsprechen.
Der Entwurf der Generalplaner Jabornegg & Pálffy_AXIS sieht eine deutlich verbesserte Infrastruktur für den Nationalratssitzungssaal vor. Die räumliche Erscheinung des Saales bleibt mit den neuen baulichen Modifikationen in seinem Wesen erhalten. In der Erdgeschoßebene werden die Abgeordnetenränge abgesenkt, um die Barrierefreiheit zu erreichen. Die Lichtzwischendenke wird entfernt, wodurch ein Blick durch das neue Glasdach frei möglich wird.
Unter dem Nationalratssitzungsaal und dem in seiner ursprünglichen Form erhaltenen Historischen Sitzungssaal werden neue Ausschusslokale eingebaut. Ebenso werden im Dachgeschoß derzeit brachliegende Flächen für Büro und Sitzungsräume genutzt. Auch ein für Besucher zugängliches Restaurant wird hier angesiedelt. Die neuen Zubauten sind so angeordnet, dass sie das historische Erscheinungsbild mit ihrer Gegenwart nicht überlagern und somit im Gesamtensemble nicht störend wirken. Ziel ist eine substanzielle Instandsetzung des Parlaments, die Schaffung effizienter Arbeitsbereiche sowie ein erweitertes räumliches Angebot, das dem zunehmenden öffentlichen Bedürfnis nach Information und Transparenz vor Ort Platz verschafft.

Das künftige Parlamentsgebäude erhält von klimaaktiv und ÖGNB für die vorliegende Planung die Auszeichnung „klimaaktiv GOLD“ und „ÖGNB Gold“, welche erstmals für ein Gebäude mit besonders hohen Anforderungen an den Denkmalschutz vergeben wurden. Robert Lechner, Leiter des Österreichischen Ökologie-Instituts und Vorsitzender der ÖGNB anlässlich der Übergabe der Planungszertifikate: „Gerade in Tagen wie diesen zeigt die Sanierung des Parlamentsgebäudes, dass auch denkmalgeschützte Bauwerke einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Das Parlament wird dadurch zur ´Botschafterin für Nachhaltiges Bauen´ und sendet ein wichtiges Signal an jene, die am Pariser Klimaschutzabkommen Zweifel anbringen.“

 

Client Republik Österreich/Parlament
Architecture Generalplaner Jabornegg & Pálffy_AXIS
Full design team Jabornegg & Pálffy_AXIS